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Fachangestellte für Bäderbetriebe werden überall händeringend gesucht

(vom 21.08.2018)

Drei Elmshorner erzählen, warum es ihr Traumberuf ist

Jacqueline Fuß, Petra Dinkla, Finn Rune Voß
Jacqueline Fuß (v. l.), Petra Dinkla und Finn Rune Voß arbeiten im Badepark Elmshorn

Elmshorn.  Sonnenbrille, gelassener Blick und die Ärmel des T-Shirts hochgerollt, sodass die Bizepse gut zur Geltung kommen. Oder mit gehörigem Bauchansatz und Trillerpfeife am Beckenrand stehen, regelmäßig Kommandos über das Wasser brüllen. Bodybuilder oder die Comedyfigur Bademeister Schaluppke – dies sind die stereotypen Bilder von den Männern am Beckenrand. Die Wirklichkeit sieht allerdings ganz anders aus.

Bademeister, schon das Wort hören die coolen Typen vom Beckenrand nicht gern. „Wir sind Fachangestellte für Bäderbetriebe“, korrigiert Jacqueline Fuß (21) vom Badepark Elmshorn. Ihr Kollege Finn Rune Voß (21) hebt die vielfältigen Aufgaben hervor, die den Beruf attraktiv machen. „Da ist mehr, als den Badebetrieb zu beaufsichtigen und Müll einzusammeln“, sagt er.

„Es ist ein Beruf, der sehr speziell ist“, sagt Gerold Melson, Sprecher der Agentur für Arbeit in Elmshorn. „Man muss schon besonderes Interesse daran haben, ein besonderes Händchen dafür und natürlich die entsprechenden körperlichen Voraussetzungen.“ Kurzum: Er spreche nur einen sehr kleinen Kreis von Berufsanfängern an.

Entsprechend angespannt ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt. Das Freibad in Quickborn etwa hat seine Öffnungszeiten verkürzt, und Politiker beklagen immer öfter, dass heutzutage zu wenig Kinder schwimmen lernen (wir berichteten). Grund für beide Missstände: Personalmangel. „Bundesweit fehlen rund 3500 Fachkräfte“, sagt Jürgen Gerweler, der Leiter des Badeparks in Elmshorn.

Die Fachangestellten für Bäderbetriebe haben es auch nicht leicht. „Der Respekt uns gegenüber hat abgenommen. Manche Gäste werden aggressiver“, beobachtet Petra Dinkla, die seit fast 40 Jahren am Becken steht. Es gebe mehr Auseinandersetzungen, etwa wenn die Schwimm- und Badeordnung nicht eingehalten wird. Die Angestellten bekämen den Stinkefinger gezeigt, seien auch schon mal angespuckt worden.

„Die, die nicht mehr Kind und noch nicht erwachsen sind“ macht Petra Dinkla als größte Problemgruppe aus. „Die wollen Grenzen austesten“, ergänzt Finn Rune Voß. Eine Veränderung stellt Petra Dinkla auch bei Frauen fest. „Mit ihnen gab und gibt es selten Stress. Aber wenn, dann wird jetzt richtig gezickt“, sagt die 54-Jährige. Von der Seite ins Wasser springen, sich gegenzeitig ins Wasser schubsen, mit mehreren gleichzeitig vom Startblock springen – das sind nach Aussage von Jacqueline Fuß die häufigsten Vergehen, bei denen die Experten eingreifen müssen. Wenn sich Kinder gegenseitig im Spiel ins Wasser schmeißen, sei das okay. Wenn einer dem anderen in den Rücken tritt, sei das nicht mehr okay.

„Klare Ansage machen, und zwar nett und freundlich“ – nach dieser Maxime gehen die Elmshorner Schwimmmeister vor. Kommunikationsstrategien gehören zur Ausbildung der Fachangestellten für Bäderbetriebe. Training im Umgang mit aggressiven Badegästen wird regelmäßig angeboten. Die Trillerpfeife allerdings kommt nur bei Badeunfällen zum Einsatz.

Die Schwimmmeister haben gelernt, die Menschen einzuschätzen. Wenn sich Stress anbahnt, suchen sie zu zweit das Gespräch. Das wirkt selbst auf aggressive Geister beruhigend. Sollte die Auseinandersetzung doch eskalieren, gibt es außerdem einen Zeugen. Streit, bei dem sie befürchten mussten, dass er in körperlicher Gewalt eskaliert, haben alle drei noch nicht erlebt.

Der Stress kann aber auch anders aussehen. Petra Dinkla steht nicht mehr im Elmshorner Telefonbuch, nachdem sie einem Badegast Hausverbot erteilen musste und der sich mit Telefonterror rächte. Diese Episode aus ihrem Berufsleben ist allerdings schon einige Jahre her, als die allgemeinen Kommunikationsformen noch gelassener waren.

Kleinkinder laufen unbeaufsichtigt durchs Bad 

Leiter des Bades Jürgen Gerweler
Jürgen Gerweler ist der Leiter des Bades

„Wir sind ein Familienbad“, stellt Jürgen Gerweler klar, den RTL einst zu Deutschlands härtestem Schwimmmeister kürte. Die Anzahl problematischer Badegäste sei deswegen im Vergleich zu anderen Freibädern deutlich geringer. Die Elmshorner kommen ohne Sicherheitsdienst aus.

Apropos Familien: Ein relativ neue Problemgruppe sind Eltern, die ihre Kinder unbeaufsichtigt über das Gelände streifen lassen. „Da laufen schon mal Drei-, Vierjährige am Beckenrand, die nicht schwimmen können und ohne Schwimmflügel unterwegs sind“, sagt Finn Rune Voß. „Die fallen ganz schnell ins Wasser und sind dann weg.“ Die Schwimmmeister nehmen die Kinder dann erst mal in ihre Obhut. Wenn dann die Eltern ausfindig gemacht worden sind, reagieren die nicht selten mit Unverständnis. „Manche Mütter und Väter denken, mit dem Eintrittsgeld haben sie gleichzeitig auch eine Betreuung ihrer Kinder durch die Schwimmmeister eingekauft“, sagt Petra Dinkla.

Der lange und heiße Sommer hat die Schwimmmeister in dem größten Bad im Kreis Pinneberg an ihre Belastungsgrenzen gebracht. „Erstmals werden wir in diesem Jahr mehr als 100.000 Badegäste haben“, sagt der Badepark-Leiter Jürgen Gerweler. Mit 22 Mitarbeitern – von der Kasse bis zur Schwimmaufsicht – ist das Freibad personell gut aufgestellt. Die DLRG unterstützt das Personal. Alle betonen, wie gut die Atmosphäre im Team sei. So tolle Arbeitsbedingungen gebe es nicht überall.

Trotz des gelegentliche Stresses ist für sie alle Fachangestellter für Bäderbetriebe ein Traumberuf. Ein Beruf, in dem sie viel, aber nicht nur mit Menschen zu tun haben. Technisches Wissen ist erforderlich im Umgang mit den Anlage. Kaufmännisch müssen sie fit sein. Breites medizinisches Wissen wird in der Ausbildung auch vermittelt, denn nach einen Unfall müssen sie auch Leben retten können. Und sie sind Pädagogen, die „Seepferdchen“-Kurse für Kinder geben Aqua-Gymnastik mit Erwachsenen machen. Die Wacht an der Wasserkante ist nur ein kleiner Teil der Arbeit. Unterschätzen sollte der Badegast diese Aufgabe nicht. „Man muss immer hoch konzentriert das Geschehen verfolgen, und das ist sehr anstrengend“, sagt Finn Rune Voß.

Sein Weg in den Beruf ist typisch. Der Haseldorfer wollte mit Freunden ins Wedeler Strandbad und kam dabei am örtlichen Schwimmbad Badebucht vorbei. Da er gerade einen Praktikumsplatz suchte, fragte er einfach nach. Nach einem Gespräch hatte er die Zusage. Die Bewerbungsunterlagen konnte er nachreichen. Während des Praktikums erwachte die Liebe zum Beruf. Er bewarb sich in Elmshorn und wurde genommen. Und ist nun ein cooler Typ in einem sehr speziellen Beruf.

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