Die Schulen brauchen schnelles Internet

(vom 25.10.2016)

Hamburger Abendblatt, 25.10.2016

Von Arne Kolarczyk

In Elmshorn hat nur eine von zwölf Einrichtungen einen Breitbandanschluss. Rellinger Schulen sind in dieser Hinsicht deutlich weiter.

Kreis Pinneberg.  Overhead-Projektoren, Wandkarten und Kreidetafeln sollten in Schulen längst der Vergangenheit angehören. Whiteboards, digitale Schulbücher, Lernen mit Apps – so sieht die Zukunft aus. Eigentlich. Denn digitales Lernen erfordert eine gute Internetanbindung. Und daran krankt es in den meisten Schulen. Auch im Kreis Pinneberg.

Beispiel Elmshorn: Dort hat die Bismarckschule zum Schuljahresbeginn als erste der zwölf Lehreinrichtungen einen Glasfaseranschluss mit 100 Megabit Bandbreite erhalten – dank Eigeninitiative und vielen Spendern. "Die Stadt hat darauf verwiesen, dass derzeit ein Konzept für die Anbindung aller Schulen erstellt wird", sagt Schulleiter Peter Rosteck. Das Konzept solle 2018 fertig sein und dann sukzessive umgesetzt werden. Rosteck: "So lange wollten wir nicht warten."

Mehrere Spender sprangen in die Bresche

Er wandte sich an die Stadtwerke, die in Elmshorn über einen Glasfaserring verfügen. Und weil in der Schulstraße sowieso Baumaßnahmen anstanden, legten die Stadtwerke einen Glasfaseranschluss ans Gebäude. Von da an war wieder Einfallsreichtum gefragt. Die Schule verzichtete auf die Erneuerung des Computerraums und investierte die städtischen Mittel von 10.000 Euro in den Kauf eines leistungsfähigen Servers. Die Verkabelung vom Anschlusspunkt bis zum Server inklusive der Einbindung mehrere Repeater finanzierten mehrere Spender, darunter Eltern, die Sparkasse Elmshorn und der Ehemaligenverein.

"Wir revolutionieren nicht den Lehrplan, sondern nutzen einfach andere Möglichkeiten, den Unterrichtsstoff zu vermitteln", sagt Lehrerin Ute Grimm. Die Bismarckschule mit 1200 Schülern verfügt über interaktive Beamer sowie dazu passende Leinwände in 40 Räumen, es gibt eine Laptop-Klasse und außerdem können zwei Klassensätze I-Pads genutzt werden. Allein letztere kosteten 20.000 Euro, bezahlt wiederum aus Spenden.

Dank Breitbandanschluss und WLAN können nun gleichzeitig mehrere Klassen auf das Internet zugreifen, ohne dass die Verbindung abbricht. Allerdings ist das Oberstufengebäude momentan noch ausgenommen. Dort ist ein zusätzlicher Glasfaseranschluss geplant, die Umsetzung steht jedoch noch in den Sternen.

Ebenso wie der Anschluss der anderen Elmshorner Schulen. "Wir erstellen derzeit ein Medienentwicklungskonzept", bestätigt Stadtrat Dirk Moritz. Festgelegt werden solle, welche Hard- und Software die zwölf Schulen benötigen, wie der Ist-Zustand in Sachen Internetanschluss und Inhouse-Verkabelung ist und welche baulichen Voraussetzungen für die Verlegung eines Breitbandanschlusses erfüllt werden müssten. "Wir werden dazu auch ein externes Unternehmen für die Beratung hinzuziehen", so Moritz. Nach vorsichtiger Schätzung müsste die Stadt allein in Hard- und Software eine Million Euro investieren. Das Konzept solle bis Anfang 2018 fertig sein. Moritz: "Es gibt Fördermittel. Das Konzept versetzt uns in die Lage, sie abzurufen."

Mitte Oktober hat Bundesbildungsministerin Johanna Wanka ein Fünf-Milliarden-Euro-Programm vorgestellt, mit dem die 40.000 Schulen in Deutschland in den nächsten fünf Jahren fit für digitales Lernen gemacht werden sollen. Auch die Landesregierung hat Ziele. Bis 2020 sollen alle 800 Schulen im Land über schnelle Internetanschlüsse verfügen.

Alle Rellinger Schulen haben Breitbandanschlüsse

Bereits versorgt ist die Gemeinde Rellingen. "Dank unserem Partner wilhelm.tel verfügen alle unsere Schulen über Breitbandanschlüsse", sagt Amtsleiterin Silke Mannstaedt. Die Caspar-Voght-Schule sowie die Erich Kästner Grundschule verfügten über eine Inhouse-Verkabelung, bei der Brüder-Grimm-Schule erfolge dies mit dem geplanten Neubau. Laptopklassensätze und Whiteboards – Rellingen ist nicht nur in Sachen Hardware gut aufgestellt, sondern beschäftigt mit einer halben Stelle einen IT-Koordinator, der sich nur um die Schulen kümmert.

Interaktive Tafeln in jedem Raum, die per Laptop ins Internet gelangen; 60 Laptops, die per WLAN Internetzugriff haben sowie ein eigenes Schülernetzwerk: Das Wolfgang-Borchert-Gymnasium in Halstenbek ist eine Vorreiterschule im Kreis, was die Ausstattung angeht. "Das alles wurde dank unseres Neubaus möglich", sagt Schulleiter Veit Poeschel. So könnten im Sprachunterricht Videoclips mit Muttersprachlern eingesetzt oder auch kurze Filme zu historischen Ereignissen den Unterricht auflockern. "Man sollte diese technischen Möglichkeiten mit Augenmaß einsetzen", empfiehlt der Schulleiter. Doch auch das Borchert-Gymnasium verfügt nicht über einen Breitbandanschluss. "Die Bandbreite des Netzes reicht aber aus, um normal zu arbeiten und Videos ohne Aussetzer darzustellen", sagt Daniel Helmholz, der EDV-Koordinator der Schule.